Weinlese 2026 im Weinviertel: Früh gestartet, stark in der Qualität
Die Weinlese 2026 wird uns am Weingut Schwarzböck wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Noch nie zuvor hat die Reife der Trauben so früh eingesetzt: Bereits am 18. August starteten wir mit der Ernte – zunächst mit Trauben für unseren Traubensaft.
Eigentlich war danach noch eine kurze Pause geplant. Doch dazu kam es nicht. Die weitere Reifeentwicklung verlief deutlich schneller als erwartet, und auch Sorten wie Gelber Muskateller und Grüner Veltliner erreichten ungewöhnlich früh ihre optimale Reife. So ging die Lese ohne Unterbrechung weiter.
Am 15. September konnten wir schließlich das Lesefinale feiern. Damit lag eine ausgesprochen frühe und kompakte Ernte hinter uns.
Mit der Qualität der Trauben sind wir sehr zufrieden. Besonders beim Grünen Veltliner, unserer wichtigsten Rebsorte, haben wir im Vorfeld bewusst stark ausgedünnt. Durch die geringere Traubenanzahl pro Stock konnten die verbleibenden Trauben optimal ausreifen und eine hohe Qualität entwickeln.
Auch die ersten Jungweine bestätigen, dass der Lesezeitpunkt gut gewählt war. Die Alkoholwerte liegen genau in dem Bereich, den wir uns gewünscht haben. Das ist vor allem der zeitgerechten Lese geschuldet: Trotz der sehr frühen Reife konnten wir die Trauben zum richtigen Zeitpunkt einbringen und so Frische, Balance und Sortentypizität bewahren.
Die Trockenheit hinterließ deutliche Spuren
So erfreulich die Qualität ist, so dramatisch war die Situation in den Weingärten. Die lang andauernde Trockenheit im Weinviertel, verbunden mit zahlreichen heißen Tagen und Tropennächten, brachte die Reben über Wochen an ihre Belastungsgrenze. Der dringend benötigte Regen blieb aus, während die Hitze kaum nachließ.
Besonders hart traf diese Situation unsere Junganlagen. Junge Rebstöcke verfügen noch nicht über ein tiefreichendes und weit verzweigtes Wurzelsystem und konnten der extremen Trockenheit daher nur wenig entgegensetzen. Für sie war dieser Sommer ein echter Überlebenskampf.
Ganz anders zeigte sich die Situation bei den älteren Rebstöcken. Ihre über viele Jahre entwickelten, tiefreichenden Wurzeln erwiesen sich in diesem Extremjahr als großer Vorteil. Sie konnten noch Wasserreserven aus tieferen Bodenschichten erreichen und die langen Trockenphasen deutlich besser überstehen. Gerade 2026 wurde eindrucksvoll sichtbar, welchen Wert alte, tief verwurzelte Rebanlagen in Zeiten zunehmender Wetterextreme haben.
Die Folgen der Trockenheit zeigen sich deutlich in der Erntemenge: Rund 40 Prozent weniger als im Vorjahr konnten wir heuer einbringen. Die Beeren blieben kleiner, die Erträge niedrig – ein Ergebnis, das trotz der hervorragenden Qualität schmerzt.
Der Jahrgang 2026 zeigt damit zwei sehr unterschiedliche Seiten: außergewöhnlich schöne Qualitäten und vielversprechende Jungweine auf der einen Seite – extreme Trockenheit und eine drastisch reduzierte Erntemenge auf der anderen.
Umso mehr schätzen wir das, was dieser Jahrgang hervorgebracht hat. Die ersten Jungweine zeigen bereits viel Frische, Balance und Ausdruck – und machen deutlich, dass sich konsequente Arbeit im Weingarten und der richtige Lesezeitpunkt auch in einem so herausfordernden Jahr bezahlt machen.


